Digitale Displays: Bartels-Langness will im großen Stil elektronische Preisschilder einführen. Im Einsatz sind bereits Tags des Anbieters Digi – Hanshow kommt jetzt neu dazu.
Foto: bartels-Langness
Kiel. Bartels-Langness will im großen Stil digitale Preisschilder einführen. Zunächst testet der norddeutsche Lebensmittelhändler in einer Handvoll Filialen. Es geht dabei vor allem darum, Preise schnell ändern zu können und sich zukunftssicher aufzustellen.

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Bartels-Langness (Bela) geht einen Schritt weiter in der Digitalisierung seiner Märkte und führt elektronische Regaletiketten ein. Bevor diese Electronic Shelf Labels (ESL) genannten E-Etiketten im großen Stil ausgerollt werden, will Bela sie in vier Famila-Märkten erproben. Und das jeweils in allen Warenbereichen – von Food bis Nonfood, vom Tiefkühl- bis zum Frischesortiment. Insgesamt geht es im ersten Schritt um mehr als 100 000 digitale Preisschilder. Die erste Installation geht im August in einem Neubau live. Drei weitere Neueröffnungen sollen Ende dieses beziehungsweise Anfang kommenden Jahres folgen. In einem Markant-Supermarkt in Kiel läuft bereits der Testbetrieb mit einzelnen Warensegmenten.

Lieferant und Dienstleister ist Hanshow. Für den chinesischen ESL-Anbieter bedeutet der Bela-Auftrag gleichzeitig den Markteintritt in Deutschland. Das Unternehmen, das erst 2011 gegründet wurde, hat im Oktober 2018 eine deutsche Niederlassung eröffnet: die Hanshow Germany GmbH in Düsseldorf. Nach Frankreich und Dänemark ist Deutschland nun der dritte Markt Europas, den Hanshow adressiert. „Bartels-Langness ist das erste überregional bekannte Unternehmen, das sich hierzulande für die ESL-Lösung von Hanshow entschieden hat“, bestätigt Jens Völling, Vertriebschef bei Hanshow Germany. Völling hat zuvor knapp zehn Jahre bei NCR gearbeitet. In Europa sind unter anderem Auchan, Ahold Delhaize und Netto (Salling Group) umsatzstarke Hanshow-Kunden. In China hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge einen Marktanteil von mehr als 95 Prozent.

Mit den ESL will Bela gewährleisten, dass die Preise am Regal immer zu 100 Prozent mit denen an der Kasse übereinstimmen. Denn ist das nicht der Fall, ist Kundenfrust programmiert. „Die Preissicherheit steht für uns an erster Stelle“, sagt Günter Heppes von der Bela-IT dazu. Darüber hinaus geht es ihm ums Tempo. „Wenn wir über Nacht die Preise ändern, sind sie am nächsten Morgen zur Marktöffnung gleich up to date“, erklärt Heppes den Geschwindigkeitsvorteil – weniger händischer Aufwand, weniger mühselige Arbeit und weniger Fehler inklusive.

Darüber hinaus stelle sich Bela mit ESL-Technik zukunftssicher auf. Viel diskutiert wird in der Branche, dass ESL die technische Voraussetzung für Dynamic Pricing im stationären Handel sind. Darunter versteht man eine Strategie, bei der Algorithmen die Preise automatisch auf Basis externer Faktoren wie Wettbewerbspreisen, Wetter sowie Angebot und Nachfrage berechnen. Das dient wiederum als Grundlage dafür, die Preise in Sekundenschnelle anpassen und untertägig ändern zu können.

In einer Zeit volatiler Preise und eines sich verschärfenden Preiswettbewerbs kann das sinnvoll sein, um rasch auf Preissenkungen oder -erhöhungen der Konkurrenz zu reagieren, die maximale Kaufkraft abzuschöpfen, Abschriften zu verringern sowie generell Angebot und Nachfrage besser auszutarieren. Lekkerland ist hierzulande das erste Unternehmen, das Dynamic Pricing am POS testet. Im Online-Handel ist es fast Standard.

Digitale Preisschilder, die den Nahfunk NFC (Near Field Communication) unterstützen, sind ferner geeignet, mit den Handys der Konsumenten zu kommunizieren. Beispiele für Anwendungen, die das ausnutzen, sind Self-Scanning und Self-Checkout per Smartphone wie bei Albert Heijn oder Instore-Navigation wie bei Media-Markt. ESL-Vorreiter sind hierzulande Rewe, Media-Markt-Saturn sowie Metro C+C. Laut EHI setzen 36 Prozent der deutschen Händler bereits ESL ein, zumindest testweise. Weitere 9 Prozent planen den Einsatz. Im Ausland ist die Technik schon deutlich weiter verbreitet, insbesondere in Frankreich.sf/lz 28-19

The article was originally published by German „Lebensmittelzeitung“ on July 12th.